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Kiezbeben-Geschichten: Bayern 1988 - ein Festival der Liebe

Auf über 600 Quadratmetern zeigt "KIEZBEBEN  – die zweite Geburt des FC St. Pauli", wie der FC St. Pauli wurde, was er heute ist. Der Betreiberverein 1910 e.V. hat die Ausstellung im FC St. Pauli-Museum bis 5. Oktober verlängert und eine große Umfrage zur Dauerausstellung gestartet (wir berichteten: KLICK!). Einige der schönsten KIEZBEBEN-Stories erzählen wir hier auf fcstpauli.com. Diesmal geht es um ein Spiel, das 1988 Schlagzeilen machte wie kein anderes – und entscheidend zum Aufstieg Volker Ippigs zur "Kultfigur" beitrug.

Fast wirkt es, als sei der FC St. Pauli nur für dieses eine Spiel aufgestiegen. Die Begegnung gegen die Millionentruppe von Bayern München am 5. November 1988 wird in den Medien zum epischen "Kampf arm gegen reich" stilisiert. Das Interesse von Zeitungen, Radio und Fernsehen übertrifft alles, was der FC St. Pauli bis dahin erlebt hat: "Wir wissen gar nicht, wo wir die vielen Übertragungswagen lassen sollen", so Geschäftsführer Manfred Campe zum Hamburger Abendblatt: "Wahrscheinlich müssen die Wagen zwischen den Büschen hinter der Gegengeraden stehen."

Zeitzeugen im KIEZBEBEN: Klaus Ottens (li.) und Helmut Schulte (re.) erlebten das Spiel gegen Bayern als Spieler, bzw. Cheftrainer mit.

Zeitzeugen im KIEZBEBEN: Klaus Ottens (li.) und Helmut Schulte (re.) erlebten das Spiel gegen Bayern als Spieler, bzw. Cheftrainer mit.

Die Atmosphäre am Millerntor ist von einer Hitzigkeit, die zum Klischee der stets friedlich feiernden Fans nicht recht passen mag. Die Spielreportage der Münchner AZ liest sich stellenweise wie ein Kochrezept: "Tomaten, Paprika, rohe und gekochte Eier, Zwiebeln" fliegen auf den Rasen. Ebenfalls gesichtet: "Belegte Brote, volle und leere Bierdosen, Feuerzeuge und Geldmünzen." Und mindestens eine Leuchtrakete. Während des Spiels versorgt Bayern-Libero Klaus Augenthaler Manager Uli Hoeneß mit aufgesammelten Bierdosen. "Ich verstehe nicht, dass die Leute Flaschen und Dosen überhaupt ins Stadion reinkriegen", rätselt FC St. Pauli-Präsident Otto Paulick nach dem Spiel.

"Schlimmer als Real Madrid": Schlagzeile aus München zum Spiel der Bayern am Millerntor, November 1988.

"Schlimmer als Real Madrid": Schlagzeile aus München zum Spiel der Bayern am Millerntor, November 1988.

Von einem Spielabbruch will Schiedsrichter Krug dennoch nichts wissen: "Ich habe keine direkte Gefährdung der Spieler gesehen", gibt er hinterher zu Protokoll. Auch die Bayern tragen es großenteils mit Fassung: "Irre, diese Fans. Einzigartig in der Bundesliga", lobt Olaf Thon – kurz nachdem er von einer Tomate gestreift wurde. Auch Bayern-Präsident Scherer bleibt gelassen: "Das Publikum ist zwar enthusiastisch, aber niemals bösartig." Trainer Heynckes und Manager Hoeneß dagegen schäumen. Wohl auch, weil das Spiel 0:0 ausgeht – nicht zuletzt dank einer starken Leistung von Keeper Volker Ippig, der mit seinem Nachspiel-Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF noch Mediengeschichte schreiben sollte (wir berichteten: KLICK!).

Die Ausstellung KIEZBEBEN ist bis einschließlich 5. Oktober immer Do.+Fr. von 16 bis 22 und Sa.+So. von 11 bis 19 Uhr im FC St. Pauli-Museum in der Gegengerade geöffnet.

Die Ausstellung KIEZBEBEN ist bis einschließlich 5. Oktober immer Do.+Fr. von 16 bis 22 und Sa.+So. von 11 bis 19 Uhr im FC St. Pauli-Museum in der Gegengerade geöffnet.

Das Unentschieden gegen die Emporkömmlinge vom Millerntor nagt gewaltig am Selbstbewusstsein der erfolgsverwöhnten Bayern. Und so bietet Hoeneß für das Rückspiel im Münchner Olympiastadion eine Wette an: „Drei Tore Unterschied oder Geld zurück!“ Bayern siegt 2:1. Die Wettschuld wird dennoch nicht eingelöst.

Wollt Ihr mehr über dieses und viele andere legendäre Spiele wissen – und erfahren, wie der FC St. Pauli wurde, was er heute ist? Dann nichts wie hin ins FC St. Pauli-Museum!

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KIEZBEBEN. Die Ausstellung. Do.+Fr. 16 bis 22 Uhr und Sa.+So. 11 bis 19 Uhr. FC St. Pauli-Museum, Heiligengeistfeld 1, 20359 Hamburg.

Weitere Infos:

 

Text: 1910 e.V.

Fotos: Witters / Christoph Nagel / Archiv 1910 e.V.

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