Eye-Able Logo
Zum Inhalt springen

Ein St. Paulianer wird 60: "Piepel hat immer alles getan, um zu gewinnen"

Die Beziehung zwischen Fußballverein und Spieler oder Funktionär hat in der Regel ein schnelles Verfallsdatum. Joachim Philipkowski lernte zwischenzeitlich zwar andere Klubs kennen, kehrte aber mehrmals zum FC St. Pauli zurück. Im vergangenen Jahrzehnt gab es nur wenige Nachwuchsspieler, die nicht auch unter der Regie von Philipkowski ausgebildet wurden. Am heutigen Freitag (26.2.) feiert 'Piepel' seinen 60. Geburtstag, über 30 Jahre davon arbeitete der Fußball-Lehrer für unseren FCSP.

Die gemeinsame Geschichte von Philipkowski und dem FC St. Pauli begann vor über 43 Jahren als Jugendspieler, nur sieben Jahre später, zur Saison 1984/85, gelang dann das Profidebüt. "Zu meiner Zeit", erinnert sich sein ehemaliger Mitspieler und der spätere U17-Trainer Hans-Jürgen Bargfrede, "war Piepel Stürmer. Er war einer, den ich immer anspielen konnte und bei dem ich wusste, wohin ich ihn anspielen muss. Er ist ein absolut angenehmer Typ, auch später im NLZ, wo er als Leiter mein Chef war, basierte die Zusammenarbeit immer auf Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Vertrauen – das habe ich sehr gemocht."

Seine sportlich erfolgreichste Zeit erlebte Philipkowski aber beim 1. FC Nürnberg - auf einer völlig anderen Position. Einer der damaligen Trainer im Frankenland war Hermann Gerland, der Piepel, der beim "Glubb" vier Rote Karten und damit die meisten der Vereinsgeschichte sah, in die Innenverteidigung zurückzog. "Er war einer dieser Spieler, die von alleine marschiert sind, den musste man nie groß antreiben, sehr verlässlich zweikampf- und laufstark – Piepel hat immer alles getan, um zu gewinnen", lobt Gerland, der zurzeit als Co-Trainer beim FC Bayern München tätig ist. "Bis heute rufe ich ihn immer gerne an, wenn ich wissen möchte, was im Norden von Deutschland so los ist. Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute zum Geburtstag! Bleib so, wie du bist!"

Als Spieler bestritt Joachim Philipkowski seine meisten Spiele für den 1. FC Nürnberg.

Als Spieler bestritt Joachim Philipkowski seine meisten Spiele für den 1. FC Nürnberg.

Sieben Jahre und 154 Bundesliga-Spiele später ging es für Philipkowski zurück ans Millerntor, bei Braun und Weiß hängte er seine Fußballschuhe 1994 an den Nagel. Er begann seine zweite Karriere an der Seitenlinie als U19-, später als Amateur- und schließlich als Co-Trainer der Profis. Gemeinsam mit Chefcoach Dietmar Demuth feierte das Trainergespann den vierten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte.

Die damalige Zeit erlebte Hauke Brückner, der bis heute als Online-Redakteur in der Medienabteilung des FCSP arbeitet und damals zum Profikader zählte, hautnah mit. "Ich bin Piepel bis heute sehr dankbar, ohne ihn wäre ich nie beim FC St. Pauli gelandet", verrät Brückner, der sich trotz Offerten anderer Klubs für Braun und Weiß entschied. "Nach dem ersten Gespräch mit Piepel war mir sofort klar, dass ich unbedingt zum FC St. Pauli wechseln will. Er war auch die treibende Kraft, dass ich es später in den Profikader geschafft habe. Piepel war ein Trainer, der einen guten Mix aus Zuckerbrot und Peitsche hinbekommen hat. Er ist zudem immer sehr offen gewesen, mit Problemen konnte man immer zu ihm gehen."

Angekommen im Fußball-Oberhaus feierte das Trainergespann Dietmar Demuth und Joachim Philipkowski einen der prominentesten Siege der Vereinsgeschichte, die Kiezkicker bezwangen im Februar 2002 den damaligen Weltpokalsieger FC Bayern München mit 2:1. "Vor dem Spiel hat Piepel gesagt, dass ich 100 Euro bekomme, wenn ich ein Tor schieße", erinnert sich Ex-Kiezkicker und Torschütze Nico Patschinski. "So kam damals auch mein Jubel zustande, dass ich mich auf seinen Stuhl an der Seitenlinie gesetzt habe. Wann immer der Jubel gezeigt wird, hat auch Piepel seinen Anteil daran."

Der damalige Co-Trainer Philipkowski (l.) mit Siegtorschütze Deniz Baris (r.) nach dem Aufstieg 2001 in Nürnberg.

Der damalige Co-Trainer Philipkowski (l.) mit Siegtorschütze Deniz Baris (r.) nach dem Aufstieg 2001 in Nürnberg.

Nach dem Bundesliga-Abstieg übernahm der gebürtige Pole erst interimsweise und dann fest die Rolle des Profitrainers. Der Talentförderer, der schon in der U19 die späteren Bundesligaspieler Zlatan Bajramović und Ivan Klasnić trainiert hatte, war schließlich auch der erste Profitrainer eines "Fußballgotts". "In erster Linie ist er ein super Mensch", betont Alex Meier, Bundesliga-Torschützenkönig 2015, der unter Philipkowski 2002 im Profifußball debütierte. "Er hat schon immer ein gutes Auge für Talente gehabt und war auch an meiner Entwicklung maßgeblich mitbeteiligt."

Trotzdem endete das Kapitel St. Pauli für Philipkowski im Dezember 2002 zunächst nach einer 1:4-Niederlage gegen Alemannia Aachen. Die Boys in Brown schafften auch unter Nachfolger Franz Gerber den Klassenerhalt nicht, erst zur Saison 2007/08 kehrten die Braun-Weißen zurück in den Profifußball. Piepel zog sich derweil in den Jugendfußball zurück, erst zu Werder Bremens U19, dann zur Amateurmannschaft der "Rothosen". Seit 2007, als Philipkowski zunächst den Posten des Nachwuchschefs übernahm, ist er am Millerntor geblieben. Nach einigen Jahren in der U19 trainiert er mittlerweile wieder die U23 seines Herzensvereins.

"Guter Mix aus Zuckerbrot und Peitsche" - seit 2007 ist "Piepel" ohne Unterbrechung im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) vom FCSP tätig.

"Guter Mix aus Zuckerbrot und Peitsche" - seit 2007 ist "Piepel" ohne Unterbrechung im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) vom FCSP tätig.

Zu seinem aktuellen Betreuerstab des Teams gehört auch Dieter Schiller, der 1977 Teil der ersten braun-weißen Bundesliga-Aufstiegsmannschaft war, heute noch die St. Pauli Altliga trainiert und noch die eine oder andere Anekdote parat hat. "Ich kenne Piepel eine Ewigkeit, erstmal sieht er älter aus als er am Freitag wird", scherzt Schiller. "Eine Sache werde ich aber nie vergessen: Als wir mit der Altliga auf Mallorca waren, hat Piepel gegen einen angeblichen Tennistrainer gespielt. Er hatte aber keine Turnschuhe dabei, deswegen musste er barfuß auf roter Erde spielen. Piepel konnte eigentlich gar kein Tennis spielen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon ein paar Gläser Wein getrunken. Die Wette war, dass Piepel zwei Punkte machen musste, um zu gewinnen. Wir haben das mit der restlichen Mannschaft von der Terrasse beobachtet und gesehen, dass Piepel schon schnell die beiden Punkte geholt hat – wir haben ihn aber spielen lassen. Am Ende kam er zurück und hat die 50 Euro, um die es ging, trotzdem bezahlt, obwohl er eigentlich gewonnen hatte. Er wusste nicht mehr, worum es eigentlich ging – der Tennislehrer übrigens auch nicht. Erst danach haben wir ihn aufgeklärt."

Auf das in den nächsten Jahren noch viele tolle Geschichten und Erfolge dazu kommen, vielen Dank für über 30 Jahre beim FC St. Pauli und alles Gute zu Deinem 60. Geburtstag, Piepel!

 

(ms)

Fotos: Witters

Anzeige

Congstar